Kinder stehen unter besonderem Schutz
Leider ist Kinderarbeit in vielen Ländern noch weit verbreitet. Auch in einigen Regionen, in denen wir tätig und vertreten sind, werden traditionell immer noch Kinder beispielsweise zur Feldarbeit eingesetzt, um zum Lebensunterhalt der Familien beizutragen.
Nach der Übernahme des indischen Saatgutunternehmens Proagro Ende des Jahres 2002 haben wir mit dem Aufbau von Maßnahmen gegen Kinderarbeit in unserer Baumwoll-Saatgutzulieferkette begonnen. Bayer CropScience engagiert sich in Indien mit dem „Bayer CropScience Child Care Program“ konsequent und systematisch gegen Kinderarbeit und trägt zur Durchsetzung von Kinderrechten bei. Das Programm setzt an mehreren Stellen an: Das wichtigste Ziel ist es, eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen zu erreichen. Landwirtschaft kann sehr wohl ohne den Einsatz von Kindern wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden, und Bildung durch Schulbesuch ist der Schlüssel zu einer dauerhaften Verbesserung der Lebensumstände der heutigen Kinder. Diese Botschaften stehen im Mittelpunkt unserer Kommunikationsmaßnahmen und persönlichen Gespräche mit den Bauern und der Bevölkerung in den betroffenen Regionen.
Den Kindern und Jugendlichen in den Regionen, in denen wir tätig sind, bietet das Programm auch spezielle Bildungs- und Ausbildungsangebote. In Zusammenarbeit mit lokalen Nichtregierungsorganisationen und Institutionen eröffnet unsere „Learning for Life“-Initiative den Kindern Möglichkeiten, die sich von der Wiedereingliederung in das reguläre Schulsystem bis hin zur beruflichen Bildung erstrecken. Über 2.400 Kinder und Jugendliche konnten bislang von diesen Bildungsangeboten profitieren. So bieten wir beispielsweise an der „Bayer Ramanaidu Vignana Jyothi School of Agriculture“ jungen Menschen eine Berufsausbildung zum „Farm Assistant“ an.
Mit Saatgutzulieferern schließt Bayer CropScience Verträge die eine „no child labor clause“ – ein striktes Verbot von Kinderarbeit – beinhalten. Diese vertraglichen Vereinbarungen werden unseren Partnern in Gesprächen erläutert und durch unsere Kommunikationsmaßnahmen in den Dörfern sinnvoll unterstützt. Um die Einhaltung der Klauseln zu überprüfen, besuchen spezielle Feldmonitoring-Teams mehrmals jährlich unangekündigt die Anbaufelder. Dabei wird das Alter der Arbeitskräfte überprüft und dokumentiert. Sofern keine Kinderarbeit festgestellt werden konnte, erhalten die Produzenten am Ende der Pflanzsaison einen Bonus. Im Falle eines Verstoßes erfolgen abgestufte Sanktionsmaßnahmen, die von der mündlichen Verwarnung und dem Verlust der Sonderzahlung bis hin zur Vertragskündigung im Wiederholungsfall reichen. Wird dennoch ein seltener Fall von Kinderarbeit festgestellt, so sprechen wir, sofern möglich, neben dem Farmer, auf dessen Feld dieser Fall festgestellt wurde, auch mit den Eltern des Kindes, um sie davon zu überzeugen, das Kind zur Schule zu schicken. Das Monitoringsystem auf den Feldern wird regelmäßig durch interne Audits überprüft. Zusätzlich werden einmal jährlich bei einer relevanten Anzahl von zufällig ausgewählten Farmen unangekündigte Vor-Ort-Besuche von Ernst & Young, Indien, durchgeführt. Bei den Kontrollen wird die Einhaltung des strikten Kinderarbeit-Verbotes und auch die Befolgung der Monitoringvorschriften im Rahmen des Bayer „Child Care Program Management System (CCPMS)“ überprüft.
Zur Steuerung des Programms in Indien wurde ein Lenkungsausschuss eingesetzt. Diesem gehören neben dem Landessprecher des Bayer-Konzerns und dem Landesleiter von Bayer CropScience Indien das für die Saatgutproduktion verantwortliche Management, die Führungsebene des „Child Care Program“ und die zuständigen Mitarbeiter von Bayer CropScience Communications an.
Die Einbeziehung wichtiger Stakeholder wird zusätzlich über ein im Jahr 2008 gegründetes „Advisory Council“ gewährleistet. Neben Vertretern von Bayer CropScience sind darin folgende ausgewiesene Experten aus der Wissenschaft und dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit vertreten
- der ceo der „Fair Labor Association“, Auret van Heerden,
- der Dekan für Sozialwissenschaften der Theologischen Hochschule in Friedensau, Prof. Dr. Horst Friedrich Rolly,
- der Landesdirektor Indien der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), Guenter Dresruesse und
- ein Vertreter von „The Energy and Research Institute“ (TERI), Indien.
Die Aufgabe des „Advisory Council“ ist die strategische, inhaltliche Beratung der Verantwortlichen
für das „Bayer CropScience Child Care Program“, beispielsweise zu ethischen Produktionsmethoden in der Saatgut-Zulieferkette oder zur Entwicklung von Bildungsprogrammen in ländlichen Bereichen. Das Gremium tagt nach Bedarf, mindestens jedoch einmal pro Jahr. Die erste Sitzung fand am 6. Februar 2008, die zweite am 11. Dezember 2008 und die dritte am 20. November 2009 statt.
Das im Bereich der Baumwoll-Saatgutproduktion entwickelte Bayer-CropScience-„Child Care Program“ haben wir im Jahr 2009 weiter ausgedehnt. Auch in der Gemüsesaatgutproduktion wurde mit dem systematischen Feldmonitoring begonnen. 2010 wird das Programm auf unsere stetig anwachsende Saatgutproduktion für Hybridreis ausgeweitet.
Bayer CropScience macht sich gemeinsam mit anderen Unternehmen auch auf internationaler Ebene für eine Durchsetzung des Verbots von Kinderarbeit stark: Am 12. Juni 2009, dem „World Day Against Child Labor“, wurde vom Internationalen Verband „Crop Life International“ ein Positionspapier gegen Kinderarbeit in der Saatgut-Zulieferkette veröffentlicht, das maßgeblich von Bayer CropScience, Syngenta, Monsanto und Du Pont gestaltet wurde. Initiiert wurde es durch einen von dem Norges Bank Investment Management (NBIM) einberufenen „runden Tisch“. Aber auch Nichtregierungsorganisationen wie die „Fair Labor Organization“ und zwischenstaatliche Organisationen wie die „International Labor Association“ (ILO) und der „United Nations International Children’s Emergency Fund“ (UNICEF) waren an der Erstellung des Papiers beteiligt.
Weitere Informationen zum „Bayer CropScience Child Care Program“ enthält die
2009 veröffentlichte gleichnamige
Broschüre.